Besser aufgestellt mit Konflikten – Systemische Strukturaufstellungen für Konfliktmanagement und Mediation

Start: 30. März 2020

Dauer

2 Tage

Daten

Fr–Sa 30.–31. März 2020

Ort

Basel, Ausbidlungsinsitut perspectiva

Zeit

Beginn 9 Uhr, Ende 17 Uhr (Samstag 16 Uhr)

Preis

CHF 580.–

Inhalt

Systemische Strukturaufstellungen, Konfliktmanagement, Mediation, Coaching, Teamentwicklung, Führung

Simulation ist Stimulation

In diesem 2-tägigen Werkstatt-Seminar mit Franziska von Blarer und Marco Ronzani erleben und lernen Sie den Einsatz und Nutzen von systemischen Strukturaufstellungen (SySt®) für Konfliktmanagement, Konflikt-Coaching und Mediation. 

Systemische Strukturaufstellungen bieten die Möglichkeit, die Struktur der Beziehungen zwischen Personen und Personensystemen sowie abstrakten Elementen wie Konflikten, Problemen, Zielen, Lösungen, Hindernissen, Ressourcen, ausgeblendeten Themen und Aufgaben etc. abzubilden und lösende Veränderungen im Raum erlebbar  zu simulieren. Ihre Realisierung kann auf diese Weise stimuliert und angebahnt werden. 

Überblick

Worum geht es in diesem Seminar?

Ein Konfliktsystem oder eine Mediation oder Teile davon können schnell und einfach mit einer systemischen Strukturaufstellung abgebildet und erwünschte Veränderungen simuliert werden. Das ist besonders wertvoll und hilfreich im Umgang mit Konflikten, in der Vorbereitung oder Reflexion eines Mediations-, Coaching- oder Beratungs-Gesprächs oder in der Supervision. Interessant  ist dabei, die eigene Position zum Konfliktsystem, sei es als Konfliktbeteiligte oder als Coach, Führungs- oder Mediationsperson zu überprüfen und zu verbessern sowie Ideen für Vorgehensweisen und konkrete Interventionsschritte zu generieren.

Miniaturen oder Teile von systemischen Strukturaufstellungen können direkt im Selbstmanagement wie auch in Coaching-, Führungs- oder Mediationsgesprächen eingebaut werden, um Entwicklungs- und Lösungsmöglichkeiten zu erkennen und zu simulieren. Ein Beispiel für den Einsatz von Miniaturen von systemischen Strukturaufstellungen in einer  Mediation finden Sie am Ende der Ausschreibung.

Als besonders wirksam haben sich systemische Strukturaufstellungen bei Angst vor Konflikten oder Mediation allgemein oder vor einem bestimmten Konflikt oder einer bestimmten Mediation oder vor bestimmten Kunden erwiesen. Dabei geht es in erster Linie um Aktivierung und Stärkung der Ressourcen, der eigenen oder jener des Coach oder der Mediationsperson. . Allenfalls ist ein ungünstiger Glaubenssatz im Spiel und eine Transformation des behindernden Glaubenssatzes ist erwünscht. Dies kann gegebenenfalls im Seminar demonstriert werden.

Nutzen

Was bringt Ihnen dieses Seminar?

Sie erleben, verstehen und lernen wie Sie mit systemischen Strukturaufstellungen oder Teilen davon Verbesserungen und Erleichterungen im Konfliktmanagement, im Konflikt-Coaching oder in der Mediation erreichen können.

Sie wollen

  • mehr Überblick über ein Konflikt- oder Mediationssystem, in das Sie eingetreten sind oder eintreten –  auch und gerade bei komplizierten Verhältnissen
  • mehr Klarheit über das Konfliktsystem und die Veränderungen, die mit Ihrem Dazutreten als Mediationsperson entstehen können – auch bei risikoreichen Mediationen
  • Ihre Position als Konfliktbeteiligte, Coach oder Mediationsperson stärken und nutzbringender machen – auch wenn Sie Ihre Macht nicht einsetzen wollen oder fast keine Macht haben?
  • Ihr Handlungsrepertoire im Konfliktmanagement und im Konfliktcoaching oder der Mediation erweitern – auch für anspruchsvolle und verworrene Fälle?
  • bessere Stimmung und ein besseres Klima in Ihrem Konfliktmanagement, ihren Konfliktcoachings oder ihren Mediationen – auch mit deprimierten oder aggressiven Kunden?
  • bessere Beziehungen zu den anderen Konfliktbeteiligten, zu Ihren Coachingkunden oder Medianden (Rapport) – auch mit sog. schwierigen Menschen?
  • mehr Kreativität im Konfliktmanagement, im Konflikt-Coaching oder in Ihren Mediationen – auch bei sog. verfahrenen Situationen?
  • mehr Gelassenheit und Leichtigkeit im Konfliktmanagement, im Konflikt-Coaching oder in der Mediationen – auch wenn die Umstände das erschweren oder es fast unmöglich erscheint?
  • Ängste vor Konflikten, vor Konflikt-Coaching oder vor Mediation oder in der Coaching- oder Mediationssitzung oder vor Kunden loswerden – auch wenn Glaubenssätze diese zu verunmöglichen scheinen? (Stärkung der eigenen Ressourcen, Transformation von ungünstigen Glaubenssätzen).

Zielgruppe

Für wen passt dieses Seminar?

  • Mediatorinnen und Mediatoren
  • Coaches 
  • Führungspersonen
  • SozialberaterInnen
  • Eltern und Lehrpersonen
  • Paare
  • alle, die ihre Haltung zu Konflikten und ihr Konfliktverhalten verändern wollen 

Inhalt

Was lernen Sie in diesem Seminar?

In diesem Seminar gewinnen Sie einen praktischen Überblick über die wichtigsten Instrumente der systemischen Strukturaufstellungen für Konfliktthemen, für Konfliktmanagement, Konfliktcoaching und Mediation. Wir erkunden und erforschen gemeinsam in Demonstrationen für konkrete Anliegen von Teilnehmenden den Einsatz Systemischer Strukturaufstellungen in verschiedenen Settings sei es als Konfliktbeteiligte, als Coach oder Mediationsperson.

Themen

Die Anwendung systemischer Strukturaufstellungen können vertieft erkundet werden für unterschiedliche Themen – je nach Bedürfnissen der Teilnehmenden.

  • Ziele identifizieren und sich ihnen annähern (erlebbar machen, wohin es geht und wie man dorthin kommt)
  • Lösungen erkennen und sie realisieren (erlebbar machen, was nach der Lösung anders ist)
  • Nebel lichten und Rätsel auflösen (erlebbar machen, was verborgen ist)
  • Perspektiven wechseln (sich in die Schuhe anderer versetzen
  • Verbinden, was ungünstig getrennt ist (den Draht zu jemandem oder etwas wieder finden)
  • ausgeblendete Themen erkennen (den blinden Fleck sichtbar machen) 
  • Verstrickungen lösen (trennen, was ungünstig verbunden ist)
  • Verwechslungen klären (Loyalitäten erkennen und auflösen)
  • Chaos auflösen (sortieren und Ordnung schaffen)
  • Hindernisse in Ressourcen verwandeln (nicht passende Chemie, Misstrauen und andere Hürden überwinden)
  • Blockaden aufheben (den Problemgewinn erkennen und den Preis für die Zielerreichung zahlen)
  • Entscheidungsfindung (Orientierung finden bei schwierigen Entscheidungsfragen)
  • Dilemmas erkennen und nutzen (im Dilemma Möglichkeiten der Entwicklung und Lösung erkennen)
  • Stärkung des eigenen Systems (Zugang zu universellen Quellen erleichtern) 
  • Glaubenssätze verwandeln (etwas tun oder erreichen, von dem Sie überzeugt sind, dass es nicht möglich ist)
  • und Vieles mehr, was Sie interessieren könnte.

Lernmethoden

Wie funktioniert dieses Seminar?

Sie erhalten mit kurzen Inputs und in Life-Demonstrationen eine einfache Einführung in die Methodik der systemischen Strukturaufstellungen sowie die wichtigsten Formate und Interventionstechniken, die für Konfliktmanagement, Konfliktcoaching und Mediation nützlich sind.

Wir entwickeln gemeinsam praktische Anwendungen von Miniaturen und Teilen systemischer Strukturaufstellungen für Konfliktmanagement, Coaching und Mediation. Es werden Möglichkeiten gezeigt, wie anstelle von Personen als Repräsentanten mit Symbolen (Stühlen, Bodenankern, Figuren) gearbeitet werden kann. Die Teilnehmenden können eigene Anliegen im Rahmen der zeitlichen Möglichkeiten aufstellen, insbesondere können eigene Mediationsfälle mit systemischen Strukturaufstellungen supervidiert werden, um die eigene Position als Mediationsperson zu verbessern, Ideen für Interventionen zu generieren und den Einsatz von Miniaturen von systemischen Strukturaufstellungen zu erproben.

Als besonderen Leckerbissen erhalten die Teilnehmenden auf Wunsch ein kurzes Training im „Taschenformat“, einer Art Reiseapotheke systemischer Strukturaufstellungen für den Alltag, das von Franziska von Blarer und Marco Ronzani entwickelt wurde.

Vorkenntnisse

Was setzt dieses Seminar voraus?

An diesem Seminar können Sie teilnehmen, auch wenn Sie keine Vorkenntnisse über systemische Strukturaufstellungen oder andere Stile der Aufstellungsarbeit haben. Wenn Sie Miniaturen und Teile von systemischen Strukturaufstellungen in der eigenen Praxis anwenden möchten, sind Vorkenntnisse über die Essentialia der SySt® natürlich nützlich. Wer dieses Ziel hat, der oder dem empfehlen wir, als Grundlage zuvor die Einführung in die systemischen Strukturaufstellungen (Besser aufgestellt im Alltag), die Franziska und Marco am Istituto anbieten, zu besuchen.  

In diesem Seminar werden im Lernkontext systemische Strukturaufstellungen für Anliegen von Seminar-Teilnehmenden durchgeführt. Die Seminarteilnehmenden sind eingeladen, sich als Repräsentanten zur Verfügung zu stellen. Dazu sind alle Menschen fähigt; es braucht keine Vorerfahrung oder Vorkenntnisse. Wenn Sie in psychologischer oder psychotherpeutischer Behandlung sind, sollten Sie die Teilnahme mit der Behandlungsperson besprechen. 

Leitung

Franziska von Blarer und Marco Ronzani haben systemische Strukturaufstellungen (SySt®) bei den Entwicklern Prof. Matthias Varga von Kibéd und Dipl. Psych. Insa Sparrer in einer vierjährigen Ausbildung vor mehr als 10 Jahren gelernt. Franziska von Blarer ist vom SySt-Institut als systemische Beraterin/Coach zertifiziert und bietet Beratung und Coaching mit SySt® insbesondere auch für den kreativen Bereich an. Beide wenden die systemischen Strukturaufstellungen in allen ihren Tätigkeitsfeldern an. Marco Ronzani ist seit über 20 Jahren als Mediator tätig und wirkte in weit über 500 Konfliktfälle verschiedenster Art als Mediator mit. Der wohl bekannteste Fall ist die Beilegung des Kulturgüterstreits zwischen St. Gallen und Zürich im Jahre 2006, der auf den Villmergerkrieg von 1712 zurückging. Er setzt Miniaturen und Teile von systemischen Strukturaufstellungen regelmässig in seiner Mediations-Praxis ein. Bis heute hat er ein grosses Repertoire verschiedener Miniaturen für Mediation, Coaching und Organisationsberatung entwickelt und erprobt.

Die Beiden bieten zusammen am Istituto ein Einführungsseminar und eine praktische Ausbildung in systemischen Strukturaufstellungen und systemischem Denken an. Hier geht es zur Ausschreibung

Ein Anwendungsfall

Miniaturen von systemischen Strukturaufstellungen in der Mediation

Der Einsatz von Miniaturen von systemischen Strukturaufstellungen in einer Mediation mit geschiedenen Eltern, die ein gemeinsames Kind haben und ihre Kommunikation verbessern wollen. 

In einer Mediation mit zwei geschiedenen Eltern, in der die Beziehung der Eltern untereinander mit Blick auf das gemeinsame Kind verbessert werden sollte, sagte die Mutter, dass alles leichter ginge, wenn sie dem Vater vertrauen könnte; dies sei ihr aber nicht möglich. Der Vater seinerseits sagte, dass er der Mutter gern vertrauen würde, dass ihm das aber nicht gelänge. Beide erklärten, dass es ein Hindernis gebe. Der Mediator stellte je vor die parallel in die gleiche Richtung schauenden Medianden einen Stuhl in einiger Distanz hin und sagte, diese beiden Stühle repräsentierten je ihr Ziel, das sie „Vertrauen“ genannt hätten. Beide stimmten zu, wobei sich die Mimik beider leicht entspannte. Anschliessend stellte er je einen Stuhl zwischen die Mutter resp. den Vater und je ihren Zielen und erklärte, diese beiden Stühle repräsentierten je ihr Hindernis. Beide Medianden stimmten wiederum zu. Dabei war in der Mimik zu sehen, dass beide ernster und leicht traurig wurden, und sich der Blick nach innen kehrte. Der Mediator führte nun ein Gespräch mit den Medianden darüber wie sie in ihrem Leben erfolgreich mit Hindernissen umgegangen waren. Der Vater sagte, er „überwinde“ Hindernisse, er „komme über sie hinweg“. Die Mutter sagte, sie „beseitige“ Hindernisse. Anschliessend interviewte der Mediator die beiden je für sich wie sie das in der Vergangenheit genau gemacht hätten und was dabei hilfreich gewesen sei. Beim Erzählen waren in der Mimik beider Ansätze von Freude und ein leichtes Lächeln zu erkennen. Auch das Interesse an einander stieg. Der Vater kam zum Schluss, dass es darum gehe, dass er sich selbst überwinden müsse, um zum Vertrauen zu kommen. Die Mutter erzählte schliesslich, dass sie schon länger mit fremder Hilfe daran arbeite, zu lernen, das Hindernis zu beseitigen. Schliesslich stellte der Mediator einen Stuhl zwischen die Beiden und bezeichnete ihn als Repräsentant des gemeinsamen Kindes. Beide stimmten zu und erklärten, dass sie bereit seien, es für das Kind zu machen.

Die Miniaturaufstellung ermöglichte es den Medianden zunächst, sich mit je ihrem Ziel („Vertrauen“) zu verbinden und eine positive physisch-affektive Reaktion darauf zu erleben. Gleichzeitig erlaubte es ihnen zu erkennen, dass sie je ein eigenes Ziel hatten, und dass die Ziele miteinander kompatibel waren. Dass sie je ein eigenes Ziel hatten, brachte ihnen Erleichterung und steigerte ihre konstruktive Handlungsfähigkeit. Mit der Einführung der Repräsentanten für die beiden Hindernisse erkannten die Medianden zuerst, dass jede und jeder selbst etwas hatte, was sie bzw. ihn bei der Lösung behinderte; damit verloren die Streitereien über die Verantwortung für das Problem und die Schuldzuweisungen ihren Sinn. Die Einführung eines Repräsentanten für das Kind machte das Bild schliesslich vollständig, indem das Motiv für den Aufwand bei der Überwindung bzw. der Beseitigung des Hindernisses erlebbar wurde.

In der Folge verbesserte sich die Kommunikation der Beiden insbesondere mit Blick auf die Organisation und Durchführung der Besuche des Kindes beim Vater. Die Kontakte des Vater mit dem Kind wurden einfacher und erfreulicher für alle.