Wozu Systemische Strukturaufstellungen?

Systemische Strukturaufstellungen (SySt) verändern das Denken, sagen wir (Marco und Franziska), nachdem wir uns seit 15 Jahren mit systemischen Strukturaufstellungen beschäftigen. Es begann schnell, als wir mit der vierjährigen Ausbildung bei den Entwicklern Insa Sparrer und Matthias Varga von Kibéd begannen.

Zuerst bemerkten wir, dass wir lernten, systemischer zu denken. Das systemische Denken war vor allem Marco schon seit seiner Forschungszeit am Max-Planck-Institut für Strafrecht in den 80er Jahren vertraut. Es hatte sich daher auch schon stark eingenistet. Es überforderte das Vorstellungsvermögen aber immer wieder. Uns wurde immer klarer und erlebbarer, dass alles irgendwie zusammenhängt, dass bei Veränderungen eines Elements eines Systems bei den anderen Elementen ebenfalls Veränderungen stattfinden. Lineares, kausales Denken wurde noch mehr durch ein Denken, Wahrnehmen und Erleben abgelöst, das sich auf Systeme und ihre Komplexität richtete. Anstelle von Wissen trat Wundern. Wir interessierten uns für Überraschungen und kamen immer mehr ins Staunen. Gleichzeitig begannen wir unsere Aufmerksamkeit immer mehr auf die Relationen der Elemente im System zu richten. Unser Interesse für Beziehungen stieg laufend und schärfte unsere Wahrnehmung. Wir beobachteten und beschrieben die Beziehungen und immer weniger die Elemente und ihre Eigenschaften. Die Art und Weise des Bezugs der Elemente im System, das, was der österreichische Sprachphilosoph Wittgenstein „Struktur“ nennt, weckte unsere ganze Neugier. Übrigens heissen die Aufstellungen, mit denen wir uns beschäftigen deswegen „systemische Strukturaufstellungen“; es werden Strukturen aufgestellt, nicht Systeme wie bei Systemaufstellungen oder Familien wie bei Familienaufstellungen. In den Strukturaufstellungen werden die wechselseitigen Beziehungen, die Strukturen abgebildet. Man kann sie zunächst nicht direkt erkennen, sondern nur in ihren Wirkungen als Reaktionen der Elemente. So kann man beispielsweise die Struktur eines Familiensystems daran erkennen, welche Wirkungen sich bei dessen Elementen, den Familienmitgliedern, manifestieren. In den Struktur-Aufstellungen kann man Veränderungen der Beziehungen simulieren, und allmählich bekommt man ein Gefühl für Beziehungen. Wir entwickelten einen Sinn fürs Ganze und die Relationen zwischen den Teilen. Das veränderte nicht nur unsere Denkweise, sondern unsere Wahrnehmung und damit auch unser Handeln. Wir hatten buchstäblich einen zusätzlichen Sinn entwickelt. Dieser ermöglicht es uns, auch im Alltag die Welt anders zu sehen, anders zu beschreiben und anders zu agieren und zu reagieren. Wir achten mehr darauf wie andere ihre Welt beschreiben, welche Strukturaufstellung sie uns schildern. Wir erfahren beim
Zuhören mehr über die Welt der anderen und wie sie uns sehen und wie das mit uns zusammenhängt. Wir haben eine Beobachterposition höherer Ordnung entdeckt, die uns mehr Handlungsmöglichkeiten verschafft. Systemische Strukturaufstellungen geben uns die Möglichkeit, die Welt anders zu sehen und neue Möglichkeiten zu erkennen, die uns sonst unzugänglich wären.

Ein weiterer Gewinn, den wir mit systemischen Strukturaufstellungen erzielt haben, ist, dass wir die Strukturen unseres Denkens erkennen und erleben können. Matthias Varga von Kibéd, der mit Insa Sparrer die systemischen Strukturaufstellungen entwickelt hat, ist Professor für Logik und Sprachphilosophie. Er interessiert sich für die Struktur des Denkens und der Sprache. Er hat Denkstrukturen als Formate für Strukturaufstellungen entwickelt, und macht damit das Denken sichtbar und erlebbar. Was ist die Struktur eines Problems, eines Dilemmas und eines Entscheids, eines Rätsels, eines Ziels oder einer Lösung, fragte er sich. Und wie transformiert sich die Struktur, wenn es sich verbessert, löst, auflöst oder dramatischer wird. All das lässt sich schwer denken aber leicht aufstellen. Diese Erfahrung hatte bei uns eminente Auswirkungen auf unser Denken. Wenn wir ein Problem, ein Dilemma oder ein Rätsel sehen oder berichtet bekommen, sehen wir die Struktur – und, was am interessantesten ist, wir können Fragen stellen zu den Elementen, wenn wir die Struktur kennen. Und das ist für die meisten Leute sehr überraschend, vor allem wenn etwas auftaucht, was sie übersehen haben und bei dessen Integration das Problem sofort verschwindet und Neues entsteht. Das ist für unsere Berufe als Coach, Berater, Lehrer oder Theaterschaffende von unschätzbarem Wert. Denn wir nehmen mit dem, was wir professionell machen Einfluss auf das Dazwischen, auf die Beziehungen. Darauf haben wir Einfluss. Das kann zu nachhaltigen Veränderungen bei unseren Kunden führen; auf die Kunden direkt haben wir ja bekanntlich keinen Einfluss. Aber auf die Beziehung. So ist es nicht nur im Beruf, sondern auch im Privaten. Die Arbeit mit systemischen Strukturaufstellungen macht unser Denken vielfältiger und erweitert unsere Handlungsmöglichkeiten immer wieder. Wir haben mehr Einfluss auf die Relationen und das Dazwischen gewonnen. Auf das Dazwischen das wir selbst (mit-)gestalten und uns die Möglichkeit gibt, mit unserem Gegenüber co-kreativ eine bessere Welt zu erzeugen.

Franziska und Marco haben eine Ausbildung in systemischen Strukturaufstellungen entwickelt, die sich an dem orientiert, was sie sich als ideale Ausbildung selbst gewünscht hätten. Sie sollte praktisch sein wie eine Handwerkslehre; man sollte alles selbst ausprobieren können und es aus allen möglichen Perspektiven wie im Kindergarten erleben; es sollte soviel Theorie und Konzeptionelles angeboten werden wie gewünscht und die Gelegenheit gegeben sein, selbst Neues zu entwickeln. Eine Ausbildung in Form von Seminaren mit interessierten und spannenden Teilnehmenden, mit viel Austausch, Vertrauen und Offenheit. Lernen wie im Leben.

Also: Wenn Sie neugierig sind auf Zusammenhänge und auf das, was „dazwischen“ ist, die Beziehungen, dann ist eine Ausbildung in systemischen Strukturaufstellungen der Königsweg, das eigene Denken und Wahrnehmen so zu erweitern, dass die Zusammenhänge und das Dazwischen in den Blick geraten und beeinflusst werden können. Hier können Sie einen zusätzlichen Sinn entwickeln! Das wäre der Satz, der über dem Marktstand stehen würde.

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Systemische Strukturaufstellungen und systemisches Denken

Start: 2. Mai 2019

Dauer

12 Tage

Daten

Do–Sa 2.–4. Mai 2019 | Sa 18. Mai 2019
Do–Fr 30.–31. Mai 2019 | Sa 15. Juni 2019
Fr–Sa 23.–24. August 2019 | Sa 7. September 2019
Fr–Sa 27.–28. September 2019

Ort

Basel

Zeit

Beginn 9 Uhr, Ende 17 Uhr (Samstag 16 Uhr)

Preis

CHF 4'800.–

Inhalt

Systemische Strukturaufstellungen, Systemisches Denken, Lösungsfokussierung, Einstellungsänderung, Selbstmanagement, Führung, Coaching, Teamentwicklung, Familie, Konfliktmanagement, Mediation, Entscheiden, Tetralemma

Referenzen

Ronzani, M. (). Aufgestellt in der Mediation.

Sparrer, I. (2001). Wunder, Lösung und System. Lösungsfokussierte Systemische Strukturaufstellungen Für Therapie Und Organisationsberatung. Heidelberg: Carl-Auer-Systeme, 3.

Sparrer, I. (2006). Systemische Strukturaufstellungen: Theorie und Praxis. Carl-Auer-Verlag.

Sparrer, I., & Varga von Kibéd, M. (2000). Ganz im Gegenteil. Tetralemmaarbeit Und Andere Grundformen Systemischer Strukturaufstellungen–Für Querdenker Und Solche, Die Es Werden Wollen. Heidelberg: Carl-Auer-Systeme, 5.

Letzte Änderung

8.4.2019, 17:45